Stich- und Schnittverletzungen in der Medizin sind keine Seltenheit. Die Blutentnahmekanüle, das Skalpell, die Punktionsnadel... all diese Dinge können dem Personal zum Verhängnis werden. Um so wichtiger ist es, mögliche Gefahren zu kennen.

Virusinfektionen zählen zu den Erkrankungen, die auf diese Weise übertragen werden können. Dazu gehören die Hepatitis B, Hepatitis C und HIV. Diese Krankheiten stellen eine potentielle Gefahr dar, wenn ein derartiger Unfall passiert ist.

Meist ist nicht bekannt, ob der Patient, der behandelt wird, ein Träger dieser Viren ist oder nicht. Routinetests auf HBV, HCV und HIV werden in Deutschland nicht durchgeführt. Also gilt immer die
Faustregel: grundsätzlich so handeln, als wäre sämtliches Material kontaminiert - mit der nötigen Vorsicht und mit den Möglichkeiten des Arbeitsschutzes sprich Handschuhen, evtl. Schutzbrillen etc. Prävention ist hier sehr wichtig und auch machbar und hilft, das Risiko zu vermindern. Der Arbeitgeber ist dafür verantwortlich, dass die notwendigen Materialien in ausreichender Menge und für jeden Arbeitnehmer zur Verfügung stehen.

"Mich geht das nichts an" oder "Mir passiert schon nichts" - das ist mit Sicherheit der falsche Weg mit diesem Thema umzugehen. Die Zahlen sprechen für sich.


    H e p a t i t i s    B    u n d    C
Jedes Jahr infizieren sich 20000 bis 50000 Menschen in Deutschland neu mit Hepatitis B. Es leben geschätzte 500000 Virusträger in Deutschland, die Seroprävalenz beträgt etwa 0,5% (chronische Hbs-Ag-Träger). Bei der Hepatitis C beträgt die Seroprävalenz etwa 0,3%. 5500 Personen erkranken pro Jahr in der Bundesrepublik neu an dieser Virusinfektion. Die Zahl der Virusträger wird auf 270000 geschätzt.
Beide Viruserkrankungen können zu einer chronischen Hepatitis führen, bei der die Leberzirrhose und die Zerstörung des wichtigen Organs am Ende steht.


    H    I    V
Bei der HIV-Infektion gibt es pro Jahr in Deutschland ungefähr 2000 Neuinfektionen. Die Zahl der Neuinfizierten ist in den letzten Jahren trotz aller Aufklärungskampagnen leider nicht weiter gesunken und hat sich auf einem Level eingepegelt. Die Zahl der HIV-Infizierten ist in der letzten Zeit gestiegen. Das wird auf neue Therapiemöglichkeiten und den Fortschritt in der Betreuung HIV-Infizierter und die dadurch gestiegene Überlebenszeit zurückgeführt. Weltweit gesehen hat sich HIV inzwischen zu einer Pandemie entwickelt. Besonders betroffen sind Gebiete in Afrika und Südostasien. In der letzten Zeit ist auch in einigen Staaten der ehemaligen GUS-Länder die HIV-Infektionsrate sprunghaft angestiegen, z.B. in Estland.


Weitere Informationen zu den Erkrankungen sind auf den in der Rubrik "Links" aufgeführten Seiten zu finden, z.B. beim Robert-Koch-Institut oder bei AWMF.



In unseren Augen ist es wichtig, über Maßnahmen im Falle einer beruflichen HBV-, HCV- oder HIV-Exposition bescheid zu wissen, um bei einem derartigen Unfall zu erkennen, ob eine Gefahr besteht oder nicht und wenn nötig richtig und zügig handeln zu können - sei man selbst betroffen oder ein Kollege.